Ukraine-Krieg beeinflusst den E-Commerce

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Ukraine-Krieg beeinflusst den E-Commerce

Der Ukraine-Krieg macht sich hierzulande auch in der Umsatzentwicklung beim E-Commerce bemerkbar, das zeigt ein Vergleich der Umsatzzahlen zu Jahresbeginn und nach dem 24. Februar. Dies hat der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) ermittelt

Der Januar legte im Online-Handel gut vor: Vor allem bei Bekleidung und Schuhen konnten die Zahlen im Vorjahresvergleich um gut 10 Prozent zulegen. Bis Ende März gingen die Umsatzzahlen dann allerdings massiv um 8,6 Prozent zurück. Für das gesamte erste Quartal ist nun noch ein Plus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Ähnlich fällt die Tendenz auch im Segment Einrichtung aus. Hier kletterte das Wachstum im ersten Quartal vor Kriegsbeginn auf ein Plus von 13,9 Prozent, das Umsatzplus ab Kriegbeginn fiel dann allerdings auf 0,3 Prozent nur knapp über das Vorjahresniveau zurück. Der Bereich Täglicher Bedarf konnte sich auf vergleichsweise stabilem Niveau halten: Vor Beginn des Krieges wurde ein starkes Wachstum um 26,1 Prozent verbucht, danach betrug der Anstieg immerhin noch 19,4 Prozent. Das geht aus den Zahlen des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) hervor.

Insgesamt betrachtet konnte der E-Commerce mit einem starken Nach-Weihnachtsgeschäft punkten: Der Umsatz stieg im ersten Quartal auf 23 Mrd. Euro (2021: 21,1 Mrd. Euro). Vor Kriegsbeginn wurde ein Wachstum von Plus 11,5 Prozent verzeichnet, danach lediglich noch ein Plus um 2,3 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum.

Medikamente und Reisebuchungen im Aufwind

Recht dynamisch hat sich auch die Sparte Medikamente entwickelt. Die Einkäufe für medizinischen Bedarf in Online-Apotheken zu tätigen, war seit Beginn der Pandemie ohnehin schon im Trend und ist nach Kriegsbeginn noch einmal deutlich um mehr als 40 Prozent angestiegen. Der Umsatz im ersten Quartal konnte hier insgesamt um 23,5 Prozent auf 407 Millionen Euro zulegen, im selben Vorjahreszeitraum waren es noch 329 Millionen Euro gewesen.

Im Aufwind befindet sich der Bereich Dienstleistungen, speziell die Online-Buchungen von Reisen und Events. Während der Pandemie hatte vor allem dieser Sektor stark gelitten und ist im ersten Quartal dieses Jahres sprunghaft auf 64,2 Prozent (1,85 Mrd. Euro) angestiegen. Allerdings sind diese Umsätze noch längst nicht auf dem Niveau des ersten Quartals 2020 (3,89 Mrd. Euro) angekommen.

Verbraucherverunsicherung zeichnet sich ab

Seit Kriegsbeginn haben auch die Versender das Nachsehen, wenn auch nur mäßig: Multichannel-Anbieter halten sich mit einem Plus von 9,3 Prozent im ersten Quartal noch ganz gut. Besonders punkten konnte der Direktvertrieb durch Hersteller, hier wird ein Plus von 13,3 Prozent für die ersten drei Monate dieses Jahres verzeichnet. Vor Kriegsbeginn allerdings lag diese Sparte noch bei einem Umsatzplus von 21,4 Prozent, in den Folgewochen war ein deutlicher Umsatzrückgang auszumachen.

Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender BEVH-Hauptgeschäftsführer, sagt zum Online-Einkaufsverhalten nach Ausbruch des Ukrainekrieges, dass „einzelne Gruppen…ihr Einkaufsverhalten im Online-Geschäft verändert haben.“ Viele Verbraucher sind verunsichert und haben sich deshalb zwar nicht vom E-Commerce abgewendet, achten aber sehr viel genauer auf ihre Ausgaben. Welche Ausmaße die Verbraucherverunsicherung habe, werde sich mit den Mitteln der Marktforschung erst in einigen Monaten detailliert ermitteln lassen.